September 7

In 6 Schritten zum Spielleiter – 1/2

Als Spielleiter hat man es ja tendenziell nicht gerade leicht. Man ist verantwortlich für … naja, für fast alles ehrlich gesagt. Als allererstes muss man sich eine abendfüllende und gleichzeitig packende Geschichte für den Spieleabend aus dem Ärmel zaubern – töte den Drachen und rette die Jungfrau ist nämlich schon seit den Gebrüdern Grimm total out. Dann muss der Spielleiter natürlich auch noch die Regeln im Schlaf beherrschen und sich in der Spielwelt so gut auskennen, sodass man dort in der nächsten Touristensaison Sight Seeing Touren veranstalten könnte. Und schließlich muss man im Gegensatz zu den Spielern am Spieleabend auch die ganze Zeit vollkommen geistig anwesend sein, um alles möglichst unchaotisch über die Bühne zu bringen. Zu guter Letzt bekommt man dann noch von der ein oder anderen Seite ein wenig Kritik ab und alle gehen glücklich nach Hause.

Kevin: „Aber das klingt ja, als wäre es voll scheiße selbst Spielleiter zu sein!“

Jetzt mal ganz ruhig, Kevin. Denn trotz all dieser scheinbaren Unannehmlichkeiten, ist es ein unglaublich gutes Gefühl einen gelungenen Spieleabend hinter sich zu bringen.
Hier fasse ich die 6 wichtigsten Schritte auf deinem Weg zum Spielleiter zusammen und gebe hilfreiche Tipps, damit dein erstes Mal SL zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.


I. Die Vorbereitung des Abenteuers

Als Abenteuer bezeichnet man das, was an einem durchschnittlich 4 bis 6 stündigen Spieleabend gespielt wird. Um es mit dem Vokabular eines Gamers auszudrücken: Der Quest. Die Geschichte mit all ihren Wendungen, Konflikten und manchmal sogar Happy Endings.

Man hat hier grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Schreibe deine eigene Geschichte oder greife auf fertige Abenteuer zurück. Sich selbst eine coole Story auszudenken um dann am Spieltisch umzusetzen ist wirklich eine tolle Erfahrung, aber gerade als Anfänger sollte man doch auf ein bereits vorgefertigtes und getestetes Abenteuer zurückgreifen. Fast alle Systeme bieten davon mehr als nur eine Hand voll – manche davon sind sogar kostenlos im Internet erhältlich. So ein vorgefertigtes Abenteuer beinhaltet alle Informationen, die du als Spielleiter brauchst. Du musst es also nur noch lesen, verstehen und dir vielleicht ein paar Notizen machen. Überlege dir deshalb vorher schon, wie du bestimmte Szenen besonders gut darstellen kannst, damit du dich am Spieleabend nur noch auf das Spielen selbst konzentrieren musst. Gebe NSCs im Vorfeld bereits eine besondere Stimme oder denke dir das ein oder andere liebevolle Detail aus, wie „die tiefen Narben im Gesicht des Hauptmanns, die ihm die Ausstrahlung eines kampferprobten Soldaten verleihen“. Viele gute Ideen werden dir auch erst während des Spielens kommen. Habe keine Angst diese aktiv in das Abenteuer einzuweben, solange diese Details keine Auswirkung auf den Verlauf des Abenteuers an sich haben.


II. Die Regeln

Natürlich solltest du die Regeln kennen, denn im Falle der Ahnungslosigkeit wendet man sich immer zuerst an den Spielleiter. Doch mach dir keine Sorgen – die meisten Regelwerke erklären sich schon beim ersten Lesen fast von selbst und für die ganz hartnäckigen Fragen gibt es im Internet genug Foren, bei denen man auch nochmal nachfragen kann.  Reddit bietet hier viele Hilfen und Regeldiskussionen.

Als Spielleiter solltest du aber aber vor allem die wichtigste Regel aller Pen and Paper Rollenspiele beherzigen: Der Spielleiter hat immer recht – ’nuff said! Du hast in allen Diskussionen das letzte Wort und kannst Regeln sowohl verbannen, als auch verändern, wenn sie dir nicht gefallen. Damit wohnt der Rolle des Spielleiters auch der Aspekt des Schiedsrichters inne. Doch sei wachsam: Mit großer Macht, kommt immer auch große Verantwortung! Sei also fair mit deinen Spielern und lebe nicht deinen Gottkomplex aus.

 


III. Das Setting

Grundsätzlich solltest du dich als Spielleiter in der Spielwelt, die ihr für eure Spielrunden nutzt, einigermaßen gut auskennen. Vielleicht nicht so stark übertrieben, wie ich es in der Einleitung geschrieben habe, aber dennoch bist es wieder du, als Spielleiter, der als erstes gefragt wird, wenn etwas von der Spielwelt her unklar ist. Also mach es dir nicht unnötig schwer und wähle ein Setting, mit dem du schon einigermaßen vertraut bist.

Kevin: Aber ich hab doch noch nie Pen and Paper Rollenspiele gespielt. Wie soll ich mich da in so einer Spielwelt auskennen?!“

Boah, Kevin – lass mich doch einmal ausreden! Es gibt da draußen nämlich viele Pen and Paper Rollenspiele, die auf bekannten Marken basieren. Allen voran natürlich Star Wars. Hierzu wurde erst in jüngster Vergangenheit ein neues Spiel von Fantasy Flight Games auf den Markt gebracht. Mit Star Wars als Setting können sich viele Leute identifizieren und das Eintauchen in die Spielwelt fällt nicht schwer. Es gibt auch andere bekannte Beispiele. Neue Spieler aus dem Tabletop Bereich können vielleicht mit den Pen and Paper Versionen, von Warhammer Fantasy, Warhammer 40.000 oder Iron Kingsdoms (P&P Rollenspiel zu Warmashine) etwas anfangen. Auch Herr der Ringe, Dragon Age und sowohl die Marvel- als auch die DC-Helden haben ihre eigenen Rollenspielpublikationen.

Natürlich hast du außerdem die Möglichkeit dein Lieblingssetting, z.B. Skyrim, einfach in einem Universalregelsystem zu spielen. Diese Universalsysteme bieten meist vereinfachte Spielmechaniken, die eine große Zahl an verschiedenen Genres und Settings bedienen können. Gute Beispiele für diese Art von Regelsystemen sind Fate, Savage Worlds oder das Cypher System. Auf diesem Wege kannst du selbst ein Setting wählen, in dem du dich wohlfühlst und in dem du dich gut auskennst. So kannst du schnell und ohne viel Vorbereitungszeit auf die Settingfragen deiner Spieler reagieren.

Schlussendlich kannst du dir auch einfach ein eigenes Setting ausdenken. Natürlich kostet dies Zeit, aber es ist ein entspannenderes Hobby, als Abenteuer selbst zu schreiben. Außerdem stört es niemanden, wenn man sich der Spielleiter aus anderen Settings das Beste „zusammenklaut“ und geschickt miteinander verbindet, frei nach dem Motto: Gut geklaut ist besser, als schlecht geschrieben! Schließlich muss deine Welt nicht für einen Roman herhalten, sondern nur für deine Mitspieler und da steht meist nicht die Originalität im Vordergrund, sondern einfach nur der Spielspaß. Also probiere es mal aus – der Weltenbau, macht mehr Spaß als du vielleicht denkst.


So… das war der erste Teil von In 6 Schritten zum Spielleiter.
Den zweiten Teil findest du HIER. Dann beschäftigen wir uns mit dem Spielleiten direkt am Spieleabend, dem Kontrollieren der Gruppe und dem richtigen Umgang mit Kritik.

Fällt dir noch was zu dem Thema ein oder habe ich einen wichtigen Punkt vergessen?!? – Dann schreib mir auf Twitter @questinpeace oder einfach einen Kommentar unter den Artikel.

Hast du schon Erfahrungen als Spielleiter? Dann twitter deine größten Fails unter dem Hashtag #gmfails – damit alle Anfänger aus deinen Fehlern lernen können … und  alle was zum Lachen haben 😉

Quest in Peace, liebe Abenteurer!




Veröffentlicht7. September 2016 von niniofox in Kategorie "Für Newbies", "Rollenspiel

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